Du hast wahrscheinlich bereits von den weitreichenden Änderungen der deutschen Maut ab Dezember 2023 gehört. Solltest du diese Nachricht verpasst haben, informieren wir dich gerne.

- 01Was ist die Maut eigentlich?
- 02Maut in Deutschland
- 03Die große Änderung – CO2-Abgabe
- 04Bestürzung beim Branchenverband BGL
- 05Was genau wird sich ändern?
- 06Partikelfilterklasse (PFK) entfällt
- 07Mautvorschriften für alternative Antriebe
- 08Situation in den Niederlanden
- 09Vorziehen der Abgabeneinnahmen
- 10Forschung zur Ladeinfrastruktur
- 11Fazit
Was ist die Maut eigentlich?
Die Maut ist ein Mautsystem pro gefahrenem Kilometer für LKW ab 12 Tonnen – zumindest noch … wir kommen später darauf zurück. Die Maut wird in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Bulgarien, Belgien, Ungarn, Norwegen, Portugal, der Slowakei, Tschechien und Frankreich erhoben. Die Kosten hängen von der Achszahl der LKW-Kombination und der Emissionsklasse des Motors ab. Je sauberer, desto niedriger fällt die Maut aus.
Maut in Deutschland
In Deutschland werden die Mautgebühren von Toll Collect eingezogen. Jedes Land hat sein eigenes System, eine Harmonisierung gibt es nicht. Um den Einzug der Mautgebühren zu vereinfachen und zu beschleunigen, kann eine eingebaute OBU (On-Board-Unit) genutzt werden. Dieses Gerät registriert die mautpflichtigen Kilometer automatisch und übermittelt sie über eine separate Antenne an die mauterhebende Behörde oder Stelle, unter anderem Toll Collect.
Die große Änderung – CO2-Abgabe
Ab dem 1. Dezember 2023 wird eine separate CO2-Abgabe von 200 € pro Tonne CO₂ eingeführt. Diese Maßnahme führt zu nahezu einer Verdopplung der Mautkosten im Vergleich zur derzeitigen Situation. Ein Beispiel: Die aktuellen Mautkosten für einen 40-Tonnen-Euro-6-LKW betragen derzeit 0,19 € pro Kilometer. Ab dem 1. Dezember 2023 kommen 0,158 € CO₂-Abgabe hinzu, womit der gesamte Mauttarif auf 0,348 € pro Kilometer steigt.
Die deutsche Regierungskoalition hat im März ihr lang erwartetes Modernisierungspaket für den Klimaschutz vorgestellt. Trotz heftiger Proteste aus der deutschen Branche hat das Bundeskabinett am 14. Juni den Gesetzentwurf gebilligt. Die Reformen treten zum 1. Dezember 2023 in Kraft. Konkret bedeutet das unter anderem eine Verdopplung der Maut. Die zusätzlichen Mauteinnahmen sollen künftig vor allem in die Schiene investiert werden. „Das kommt auch den Straßen zugute, die durch eine Verlagerung auf die Schiene entlastet werden“, so Bundesverkehrsminister Wissing.
Bestürzung beim Branchenverband BGL
Der deutsche Branchenverband für Straßengüterverkehr BGL nennt die Maßnahmen einen „sinnlosen Inflationstreiber“. Da es kaum emissionsfreie LKW auf dem Markt gibt und die zugehörige Tank- und Ladeinfrastruktur fehlt, ist eine Verdopplung der Maut unvermeidbar. Die Verbraucher werden dafür zahlen. Viele kleine und mittlere Unternehmen fürchten, ihren Betrieb aufgeben zu müssen, da weitere Preisexplosionen derzeit nicht tragbar sind. Durch die Preissteigerungen müssen die Unternehmen mehr Transparenz über ihre aktuellen und zukünftigen Ausgaben schaffen.
Das neue Gesetz muss dieses Jahr noch vom deutschen Parlament verabschiedet werden. Seit 2005 wird auf deutschen Autobahnen für LKW ab 7,5 Tonnen Maut erhoben. Die Einnahmen aus der Maut beliefen sich 2022 auf rund 7,4 Milliarden Euro. Auch Dänemark startet 2025 mit der LKW-Maut.
Was genau wird sich ändern?
Bis zum 30. November 2023 gilt die Mautpflicht für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 7,5 Tonnen, wobei die Euroklasse, die Achszahl und die Gewichtsklasse die Tarifkriterien bestimmen. Künftig umfassen die Tarifkriterien die CO₂-Emissionsklasse des Fahrzeugs, die Achszahl sowie Beiträge für Lärmbelastung, Luftverschmutzung und Infrastruktur.
Wichtig zu wissen: Ab dem 1. Januar 2024 sind CNG- und LNG-Fahrzeuge nicht mehr von der Maut befreit. Ab dem 1. Juli 2024 werden Fahrzeuge mit einem technisch zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen (Feld F.2 im Fahrzeugschein) mautpflichtig – mit Ausnahme von Handwerkerfahrzeugen.
Emissionsfreie LKW sind bis Ende 2025 von der Abgabe befreit. Nach 2025 zahlen diese Fahrzeuge 25 % des regulären Tarifs, sofern der Plan vom deutschen Parlament verabschiedet wird.
Partikelfilterklasse (PFK) entfällt
Fahrzeuge mit einer Partikelfilterklasse (PFK) werden ab dem 1. Dezember 2023 nicht mehr in eine bessere Umweltklasse eingestuft. Künftig fallen Fahrzeuge mit den Maut-Umweltklassen „Euro 2 + PFK 1“ in die Maut-Umweltklasse 2, nicht mehr in Klasse 3. Fahrzeuge mit „Euro 3 + PFK 2“ fallen in die Maut-Umweltklasse 3, nicht mehr in Klasse 4. Der neue Tarif wird automatisch berechnet.
Mautvorschriften für alternative Antriebe
Werkseitig mit CNG/LNG-Antrieb der Euro-Umweltklasse 6 ausgestattete LKW werden ab Januar 2024 mautpflichtig. Emissionsfreie Fahrzeuge wie Elektrofahrzeuge, Fahrzeuge mit Wasserstoffverbrennungsmotor und Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzelle bleiben bis Ende 2025 von der Maut befreit. Ab dem 1. Januar 2026 müssen für emissionsfreie Fahrzeuge lediglich 25 Prozent des Teil-Mauttarifs für Infrastrukturkosten gezahlt werden, zuzüglich der Teil-Mauttarife für Lärm und Luftverschmutzung. Emissionsfreie Fahrzeuge bis 4,25 Tonnen technisch zulässigem Gesamtgewicht sind dauerhaft von der Maut befreit.
Situation in den Niederlanden
Die Regierung führt ab 2026 eine Kilometerabgabe für LKW ein (Vrachtwagenheffing). Die Abgabe ersetzt die bestehenden LKW-Steuern. Ab 2026 müssen alle Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen für die Straßennutzung zahlen. Die jährlich erwarteten Einnahmen aus der Abgabe belaufen sich auf rund 256 Millionen Euro und fließen in den Transportsektor zurück. Sie werden für die Nachhaltigkeit des Sektors verwendet, unter anderem für den Übergang zu emissionsfreiem Straßenverkehr.
Der RAI Vereniging begrüßt, dass die Kammer ihrem Aufruf folgt, bei der LKW-Abgabe zwischen CO2-Emissionen zu unterscheiden, um emissionsfreie Technologien maximal zu fördern. Im Übergang zu emissionsfreien Antrieben sollen jedoch auch andere saubere und sparsame Technologien einen gewissen Vorteil erhalten, damit Unternehmer mehr Handlungsspielraum bekommen.
Vorziehen der Abgabeneinnahmen
Im Vorfeld der Debatte hat der RAI Vereniging darauf gedrängt, die künftig geplanten Einnahmen aus der Abgabe vorzuziehen und damit „vorzufinanzieren“. Dadurch können Unternehmer früher in die Nachhaltigkeit ihrer Flotte investieren. Auf Wunsch einer Mehrheit der Zweiten Kammer wird der Minister diese Möglichkeit nun prüfen. Dies ist laut RAI Vereniging unter anderem deshalb wichtig, weil zwischen 2025 und 2030 viele Städte auf emissionsfreie Stadtlogistik-Zonen umsteigen. Die Investitionen für einen emissionsfreien LKW liegen schnell etwa dreimal so hoch wie für einen normalen Diesel. Die derzeit bestehenden Förderregelungen reichen nicht aus, um die notwendigen großflächigen Investitionen der Branche anzustoßen, und die Einnahmen aus der LKW-Abgabe sind dafür entscheidend. Laut TLN werden in den Niederlanden bis 2025 rund 12.000 elektrische LKW benötigt, einschließlich einer guten Ladeinfrastruktur, um die Ziele zu erreichen.
Forschung zur Ladeinfrastruktur
Der RAI Vereniging begrüßt außerdem, dass die Zweite Kammer einem Antrag auf weitere Untersuchung der Verfügbarkeit ausreichender Lade- und Tankinfrastruktur sowie elektrischer LKW zur Versorgung künftiger Emissionsfreizonen zustimmt. Der RAI Vereniging sorgt sich nicht nur über die langsame Einführung emissionsfreier LKW, sondern auch über die Verfügbarkeit einer ausreichend robusten Lade- und Tankinfrastruktur, einschließlich Wasserstoff. Diese ist derzeit bei Weitem nicht ausreichend, um den zukünftigen Energiebedarf zu decken.
Fazit
Die Änderungen der deutschen Maut ab Dezember 2023 sind erheblich und wirken sich auf die Mautkosten für LKW aus. Mit der Einführung einer CO2-Abgabe pro Tonne CO₂ verdoppeln sich die Mautkosten nahezu. Diese Maßnahme soll den Klimaschutz fördern und mehr Investitionen in nachhaltige Transportlösungen anstoßen. Sie hat jedoch auch zu Widerstand und Besorgnis im Transportsektor geführt, insbesondere bei Unternehmen, die noch keinen Zugang zu emissionsfreien LKW und der zugehörigen Infrastruktur haben.
In den Niederlanden wurden mit der Einführung einer Kilometerabgabe für LKW ab 2026 ähnliche Schritte unternommen, mit Fokus auf die Förderung emissionsfreier Technologien. Dies ist ein Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Transportsektors, doch es gibt noch Herausforderungen bei Investitionen und Infrastruktur.
Die kommenden Jahre werden für den Transportsektor in Deutschland und den Niederlanden entscheidend sein, da sie sich an diese neuen Maut- und Abgabesysteme anpassen und umweltfreundlichere Transportlösungen anstreben.
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